Leiterin Begleitetes Wohnen: «Ich lege viel Wert auf den direkten Kontakt»
Tanja Kern arbeitet schon ihr gesamtes Berufsleben mit und für Menschen mit Behinderung. Als Leiterin Begleitetes Wohnen beim BSB setzt sie sich für die Entwicklung der Angebote ein und stellt sich den Herausforderungen, die der Fachkräftemangel mit sich bringt.
Viele Jugendliche tun sich schwer mit der Berufswahl. Bei Tanja Kern war das anders: «Ich wusste schon früh, dass ich mit Menschen mit Behinderung arbeiten möchte», erinnert sich die Leiterin Begleitetes Wohnen beim BSB. Mit 18 begann sie in Deutschland die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Kaum hatte sie ihr Diplom in der Tasche, übernahm sie die Leitung einer begleiteten Wohngruppe. Heute, 32 Jahre und verschiedene Weiterbildungen und Arbeitgeberwechsel später, ist sie beim BSB verantwortlich für die stationären Wohngruppen, die ambulante Wohnbegleitung und Teile der betreuten Tagesgestaltung. Natürlich falle in dieser Funktion viel Organisatorisches und Administratives an, sagt die 50-Jährige. «Aber ich lege viel Wert auf den direkten Kontakt zu den Wohngruppen und Mitarbeitenden.» Mindestens einmal pro Woche ist sie deshalb in einem der sechs Wohnhäusern des BSB anzutreffen, um sich vor Ort mit der Leitungsperson auszutauschen. «Selbst wenn ich mich mit Managementaufgaben beschäftige, die meilenweit vom Alltag der Bewohnenden entfernt sind, weiss ich: Alles, was ich tue, dient am Ende den Menschen mit Behinderung.» Die Begeisterung für diese Menschen sei unverändert: «Sie ist es, die mich auch nach all den Jahren in diesem Beruf immer noch antreibt.»
Begleitetes Wohnen für Menschen mit Behinderung
Die Ansprüche an die Betreuungspersonen sind in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen.
Menschen mit Behinderung bestimmen mit
Entscheidungen zur Freizeitgestaltung, Menuplanung oder Einrichtung der Wohnräume werden heute gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohner getroffen. Tanja Kern kann sich zudem vorstellen, sie in die Personalrekrutierung einzubeziehen. Ihr schwebt beispielsweise ein kurzer Film vor, in dem sich eine Wohngruppe selbst vorstellt und ihre Bedürfnisse äussert. Damit möchte die Geschäftsbereichsleiterin auch dem akuten Fachkräftemangel entgegenwirken: «Früher haben sich auf eine Stelle bis zu 100 Interessierte beworben. Heute können wir froh sein, wenn wir drei geeignete Bewerbungen erhalten.» Die belastende Arbeit und der Schichtbetrieb schreckten viele junge Arbeitnehmende ab. «Es werden weniger Betreuungsfachpersonen ausgebildet, und Sozialpädagogen wenden sich vermehrt anderen Bereichen zu.» Den Spagat zwischen den gestiegenen Anforderungen und dem akuten Personalmangel zu meistern, bezeichnet sie als die aktuell grösste Herausforderung. «Das BSB ist wegen seiner Grösse, Bekanntheit und Vielfalt noch relativ gut unterwegs. Aber auch wir müssen uns mit einem guten Marketing um neue Mitarbeitende bemühen und für unser bestehendes Personal attraktiv bleiben.»
Offene Stellen für Sozialpädagogik und Arbeitspädagogik
Gruppenleiter/in Tagesgestaltung 80 %
Leiter/in Betreuung 80 – 100 %
Kein Tag ist wie der andere
Tanja Kern wohnt bis heute im grenznahen Deutschland, arbeitet aber seit der Geburt ihrer ersten Tochter vor 20 Jahren in der Region Basel: «Damals war es in der Schweiz einfacher, Teilzeit zu arbeiten.» Erst vor einem Jahr, als sie die Position der Geschäftsbereichsleiterin Begleitetes Wohnen übernahm, erhöhte sie ihr Pensum auf 100 Prozent. «Mittlerweile ist auch meine jüngere Tochter im Teenageralter; zudem waren wir als Familie schon immer gut organisiert.»
Zum BSB stiess Tanja Kern erstmals 2013 als Leiterin Weiterbildung in der Personalentwicklung. «Ich hatte mich immer weitergebildet und wollte nun mein Fachwissen und meine Erfahrungen weitergeben.» Nach ein paar Jahren vermisste sie jedoch die persönliche Auseinandersetzung mit der Behindertenhilfe und die Führungsarbeit. «Ich hatte zwar Einblick in viele Themen und Teams, aber immer nur für kurze Zeit.» Nach einem Abstecher ins Baselbiet kehrte sie 2022 zum BSB zurück. Hier bestimmen viele Termine ihren Arbeitsalltag. Gleichzeitig profitiert sie von flexiblen Arbeitszeiten. «Ich mag keinen Trott und brauche Abwechslung», sagt Tanja Kern. «Wahrscheinlich passt auch deshalb dieses Arbeitsumfeld und die Führungsaufgabe so gut zu mir: Hier ist kein Tag wie der andere. Selbst wenn ich einen Tag durchgeplant habe, kommt es meist ganz anders.» Eines jedoch bleibt: ihre Begeisterung.